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Forum » Die Gothic Serie » Gothic Storys » [Story] Von Schafen, Magiern und versiegelten Briefen (Eine Story, die ab Teil 2 leider immer schlechter wird)
[Story] Von Schafen, Magiern und versiegelten Briefen
BorkatokDatum: Samstag, 2011-02-12, 4:15 PM | Nachricht # 1
DerGrößteDummeMann
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Teil I: Schafe und Schweine

Kapitel 1: Sheepworld
Ich erwachte auf dem Gras liegend vor einem merkwürdigen schwarzen Turm. DAS ist der Inbegriff eines Magierturms: stolze Schlichtheit gepaart mit einer geheimnisvollen Athmossphäre. In diesem Turm musste der Magier sein, den ich im Rahmen meines Auftrages um einen ganz besonderen Gefallen bitten sollte (da der Gefallen in einem versiegelten Brief stand, wusste ich zwar nicht, was es für ein Gefallen war, aber ich vertraute meinem Auftraggeber). Jahrelang hatte ich nach ihm gesucht, bis mir endlich irgendsoein betrunkener Magier den Teleportzauber verkauft hatte, der mich schließlich hierherbrachte. Gut, es war vielleicht etwas risikoreich einfach so einen merkwürdigen Spruch von einem äußerst zwielichtigen Magier auszuprobieren, doch ewige Verdammnis war besser, als weitere zehn Jahre nach diesem Scheißkerl zu suchen. Hoffentlich finde ich von diesem abgelegensten Stück Erde, das man sich vorstellen kann, dann auch wieder nach Hause, dachte ich mir und betrat hastig den Turm. Ich suchte jeden Winkel hektisch nach diesem alten Sack ab, aber er war niergends. Vor Verzweiflung fing ich an auf alles um mich herum einzuschlagen, bis ich schließlich weinend in einer Ecke zusammenbrach. Ich wusste nicht, wo ich war, hatte kein Geld dabei und mein Ziel war in unerreichbarer Ferne. Dabei hatte sich mein Auftrag so einfach angehört (Finde Xardas und übergib ihm diese Nachricht). Nach einer halben Stunde riss ich mich dann zusammen, stand auf und ging den einzigen Weg, der vom Turm wegführte, entlang. Hoffentlich sprechen die Menschen hier meine Sprache (wenn es hier überhaupt Menschen gibt). Ich kam an einem Wasserfall und einer Höhle vorbei, bis ich schließlich einen menschenleeren Bauernhof zu meiner Rechten, ein bewaldetes Tal zu meiner Linken und eine Stadtmauer vor mir sah. Wenigstens gab es hier mal Menschen. Ich ging weiter und bemerkte schließlich die Torwachen der Stadt. Warum ist der Bauernhof wie leergefegt und die Stadt bewohnt, wenn es hier draußen offensichtlich keine Bedrohung für Menschen gibt? "Was willst du hier? Hau sofort wieder ab und geh zu den anderen Menschen!", zischte eine Torwache mir zu.
"Ich dachte die leben in der Stadt?"
"Hier leben nur die Schweine."
"Was haben Schweine in der Stadt zu suchen?"
"Du bist wohl nicht von hier. Wir nennen die Menschen, die den Schafen als Nahrung dienen Schweine."
"Und wer sind die Schafe?"
"Na Schafe."
"Reden wir wirklich von den selben Schafen? Bei uns haben Schafe ein dichtes weißes Fell, aus dem Kleidung gemacht wird, fressen Gras und blöken."
"Bis auf ihre Essgewohnheiten ist das bei uns auch so."
"Warum werdet ihr nicht gegessen. Ihr seid doch stattliche Kerle?"
"Wir sollen jeden Menschen, der vorbeikommt, gefangen nehmen."
"Achso. Und warum nehmt ihr mich dann nicht gefangen?"
"Erstens würdest du, wenn wir versuchen würden, dich gefangen zu nehmen, mindestens einen von uns töten und zweitens würdest du, wenn wir dich in die Stadt ließen selbst zur Wache ernannt werden, was zur Folge hätte, dass einer von uns Beiden zum Schwein werden würde."
"Wache werden. Hört sich interressant an... Was habt ihr denn so für Privilegien?"
"Wir werden nicht gemästet, wir werden nicht gegessen und wir bekommen im Gegensatz zu den Schweinen nur feinstes Fleisch."
"Lammfleisch?"
"Natürlich nicht. Für wie dumm hälst du die Schafe. Wir kriegen Schweinefleisch."
"Ich verzichte lieber darauf, zu fragen, welche Art von Schweinefleisch ihr bekommt. Wo finde ich denn die freien Menschen?"
"Geh den Weg zum Dämonenturm entlang. Am Wasserfall ist eine Höhle versteckt. Wenn du die durchquerst, kommst du in das Tal, in dem sich die Menschen versteckt haben."
"Wissen die Schafe von diesem Versteck?"
"Nein. Wir haben ihnen nichts davon erzählt. Wir hoffen nämlich auf eine Befreiung."
"Auf Wiedersehen. Möget ihr noch lange Wachen bleiben."
"Mögest du mit einer Armee von Menschen zurückkehren."

Kapitel 2: Das Familienwappen
Auf dem Weg zum Tal machte ich mir Gedanken darüber, was hier geschehen war, wie ich hier jemals wieder wegkommen sollte, wo Xardas war und wieviel Zeit wohl noch bis zur nächsten ordentlichen Mahlzeit vergehen würde. Leider waren alle diese Überlegungen fruchtlos: Was hier geschehen hätten mir eigentlich nur die Schafe sagen können und würden es mir nicht sagen, wie ich hier wieder wegkommen könnte war unmöglich zu sagen, da ich nicht mal wusste, wo ich war, Xardas könnte überall sein und ich glaubte nicht, dass es im Lager der Freien überhaupt genug Essen gab. Schließlich waren die Freien ja von der Außenwelt abgeschnittene Menschen auf engem Raum mit wenigen Vorräten.
Schließlich erreichte ich die Höhle. Fast jeder freier Zentimeter war mit Schlaflagern bedeckt (Betten konnte man das nicht mehr nennen). Ich versuchte, so wenig wie möglich mit meinen nassen Stiefeln auf die Schlafplätze zu treten (das kleine Bisschen Wasser, das auf den Laken landete würde bis zum Abend wieder getrocknet sein). Neugierig verließ ich die Höhle und war enttäuscht, dass man das Lager durch die vielen Bäume nicht erkennen konnte. Ich war freudig über die Geländer, die den Weg nach unten sehr viel angenehmer machten und summte ein Lied aus den fernen Kindertagen vor mich hin. Das Liedchen weckte meine Erinnerungen an meine Famile, an mein Zuhause und an Marten, meinen besten Freund. Zuletzt gesehen hatte ich ihn, als er mir vor zehn Jahren den Auftrag gab. Er hatte gesagt, der Auftrag sei sehr wichtig für die gesamte Menschheit und ich glaube es ihm, was auch der Grund ist, warum ich ihn noch weiter verfolge.
"Kann ich da mal vorbei?", riss mich eine ziemlich unfreundliche Stimme aus den Erinnerungen. Ein breitschultriger Mann in der gleichen Gardistenrüstung, die auch die Wachen trugen wollte anscheinend hoch zu den Schlafhöhlen. Schweigend machte ich ihm Platz und ging die lezten Paar Meter des Weges. Dort unten sah ich einen Mann in einer glänzenden Plattenrüstung zu einer großen Menschenmenge sprechen. Er redete im Ton eines Predigers (er war zwar noch ungeübt, aber die Leute hörten ihm wie gebannt zu), darüber dass Innos (wer immer das auch war) ihnen einen Krieger schicken würde, um sie aus der Enge des Tals zu befreien. Das Übliche eben. Als ich näher kam, streiften mich einige neugierige Blicke und die Bürger begannen zu tuscheln. Ich breitete meinen Mantel aus und setzte mich in die erste Reihe. Der Prediger verstummte und starrte auf das Wappen auf meinem Brustpanzer, das vorher durch den Mantel verdeckt gewesen war. Es zeigte ein weißes Schaf auf grünem Grund.
"Du trägst das Tier auf deiner Brust! Du musst der Auserwählte sein, der gekommen ist die Menschen vom Tier zu befreien. Tritt nach vorne Herr. Tritt nach vorne um Innos Segen zu erhalten."
Das sind vielleicht merkwürdige Leute hier. Zögerlich trat ich nach vorne und der Gesichtsausdruck des Paladins erhellte sich, wurde zu dem verzückten Lächeln eines Fanatikers, der zu seinem Gott persönlich sprechen durfte.
"Gesegnet seist du im Namen Innos, des Gottes des Feuers, der Ordnung und der Gerechtigkeit. Möge dein Körper niemals müde werden, dein Geist immer klar bleiben, dein Arm immer stark sein, deine Beine immer schnell laufen und dein Herz niemals stehen bleiben."
Die Menge applaudierte ekstasisch. Sie kamen nach vorne und trugen mich auf Händen. So fühlt sich also das Leben als Halbgott an. Sie jubelten laut, während der Innosdiener ein Lied von Hoffnung anstimmte. Bald sangen auch die Zuhörer mit und trugen mich in eine Höhle am anderen Ende des Tals. In dieser Höhle sollte nur ein Einziger schlafen dürfen, nämlich ich.

Kapitel 3: Khorinis
Am nächsten Morgen wurde ich sanft von zwei neben mir liegenden Frauen geweckt. Langsam fange ich an die Leute hier zu mögen. Der André (auch als der Prediger bekannt) servierte mir ein für die hiesigen Verhältnisse luxuriöses Frühstück, was erstaunlich war, denn schließlich war er der Anführer des Lagers.
"Haben dich die Beiden zufriedengestellt?"
"Voll und Ganz. Was gibt es denn zum Frühstück?"
"Käse, Eier, Schinken, Brot, Milch und Schafswurst."
"Wo habt ihr die Schafswurst her?"
"Der Metzger Alwin nahm sie mit, als wir aus der Stadt flohen. Wir hüten sie wie unseren Augapfel, denn niemand bringt den Mut auf sich den Schafen zu nähren."
"Wer ist eigentlich dein Innos?"
"Du weißt nicht, wer Innos ist. Du musst wirklich von sehr weit kommen, um nicht von ihm gehört zu haben. Er stellt das Volk der Menschen auf die Probe, indem er den Spieß umdrehte und Menschen und Schafe die Plätze tauschen ließ. Da wir die Probe bestanden haben, hat Innos nun dich zu uns geschickt."
Ich verzichtete darauf ihm zu sagen, dass ich durch einen betrunkenen alten Wirrkopf und nicht durch den Gott der Weisheit hier hergelangt war. Ich kannte Leute wie ihn. Er würde sagen, dass es der Alte nur Innos Wille ausführte und das er sich oft alte Wirrköpfe aussuchen würde, um zu seinen Erwählten zu sprechen, was er dann damit belegen würde, dass es der Tante eines Freundes genauso ergangen war und so weiter und so fort.
"Wie sieht unser Plan für die Befreiung aus."
"Innos hat dir bereits alles erklärt. Durchsuche deine Gedanken."
Ersteres bezweifelte ich zwar, aber Letzteres war keine Schlechte Idee. Allerdings war ich gerade etwas denkfaul und beschloss einfach in die Stadt zu marschieren und auf ein Wunder zu hoffen. Was hatte ich denn schon zu verlieren.
"Na dann fang ich mal an mit der Durchführung des göttlichen Planes", sagte ich, zog meine Rüstung an aund ging los.
"Warte. Du hast dein Frühstück vergessen!"
Innos würde sich wohl noch einen Moment gedulden müssen.
"Wo bin ich hier eigentlich?", fragte ich kauend.
"Auf Khorinis, einer Insel die zum Königreich Myrthana gehört."
"Aha und wo ist das restliche Myrthana?"
"Auf dem Kontinent."
"Ich komme vom Kontinent, hab aber noch nie was von Mythana gehört. Kann es sein, dass es im Westen von einem undurchquerbaren Gebirge begrenzt wird?"
"Ja. So ist es."
"Wisst ihr, wo ich Xardas finden kann?"
"Er war vor ein Paar Monaten noch hier auf Khorinis, wir glauben aber, dass er jetzt irgendwo auf dem Festland ist."
"Ich nehm an, dass ich euch erst befreien muss, um diese Insel zu verlassen."
"Genau."
"Gut. Dann frühstücke ich ersteinmal und mach mich dann au den Weg."
"Ich frag dich jetzt nur mal so aus Interesse: Was ist dein Plan?"
"Mein Plan? Ähm, der ist streng geheim."
"Dann behalt ihn lieber für dich."
"Ach"

Kapitel 4: Schon wieder auserwählt...
Ich lag sehr angenehm auf meiner Sänfte. Sie schaukelte zwar leicht (Schafe waren fürs Sänftentragen nicht unbedingt ideal), aber ich fiel nicht herunter. Es war schon irgendwie niedlich gewesen, wie die Schafe um mich herumgehopst waren, als ich die Stadt betreten hatte (ehrlich gesagt, war es sogar herzallerliebst gewesen). Es waren immer mehr schaulustige Schafe gekommen, die mich die micht von allen Seiten hatten betrachten wollen, bis sich ein Schaf schließlich von meinem Anblick losriss und zwei würdevoll dreinblickende Schafe mit einer Sänfte aus dem oberen Viertel der Stadt holte. Zwischen mir und der Sänfte bildete sich eine Gasse, was mich nicht lange überlegen ließ und so verfrachtete ich meinen Körper auf die Sänfte und ließ es mir gut gehen.
Ich betrat das Rathaus und sah ein überdimensioiertes Schaf mit einer prächtigen goldenen, mit allerhand Edelsteinen und eingeprägten Schafen verzierten Krone auf dem Kopf auf einem protzigen Schreibtisch, der zweifellos einmal dem Kommandanten der Stadt gehört hatte, stehen. Das Schaf strahlte eine solche majestätische Würde aus, dass ich mich tief vor ihm verbeugte. Doch dann geschah etwas unglaubliches: Das Königsschaf stieg anmutig vom Schreibtisch und setzte mir mit einem ihre Hufe (fragt mich nicht, wie es das geschafft hat) seine Krone auf. Ich war fassungslos. Was hatte das zu bedeuten? War die Geschichte vom Auserwählten doch kein Humbug? Was mich aber am allermeisten erstaunte war, dass die Krone kein Gewicht hatte. Ich fasste mir an den Kopf, um zu überprüfen, ob sie noch da war. Meine Befürchtungen wurden nicht bestätigt. Das ist vielleicht ein Tag heute. Erst werde ich ein Auserwählter und dann ein König. Jetzt fehlt nur noch ein gutes Mittagessen. Und als ob jemand meine Gedanken gelesen hätte kam ein Schaf mit einem Tablett auf dem Kopf und stellte es auf dem Scchreibtisch ab. Ich machte mich sofort daran, die Mahlzeit zu verschlingen. Sie bestand aus Schweineragout (von echten Schweinen) mit Bandnudeln und einem Kelch besten Weins.
Als ich schließlich fertig war fing das Oberschaf an zu blöken. Merwürdigerweise verstand ich sogar, was es mir sagen wollte. Als ob ich einen Babelfisch im Ohr hätte (bei mir zuhause erzählte man sich die Legende vom Babelfisch, der einem alle Sprachen der Welt verständlich machen konnte). "Hat das Essen geschmeckt Robert" (Ich versuchte gar nicht erst dahinter zu kommen, woher das Viech meinen Namen wusste).
Ich wollte etwas sagen ,doch meinen Lippen entwichen nur Blöklaute (ich hätte nie gedacht, dass ein Mensch solche Geräusche von sich geben konnte), die übersetzt ungefähr "Vorzüglich. Wie soll ich dich nennen?" bedeuteten.
"Ich heiße Liesel."
"Nicht gerade ein majestätischer Name."
"Du bist ja auch der König. Ich habe die Krone nur für dich aufbewahrt."
"Aha. Gut. Dann befehle ich euch Schafen, dafür zu sorgen, dass ich von dieser gottverlassenen Insel wegkomme!"
"Wo möchtest du denn hin?"
"Nach Myrthana, mein Untertan" (Es machte mir langsam Spaß, den König zu spielen).
"Ein Schiff und genügend Matrosen haben wir. Wir bräuchten nur noch einen Kapitän."
"Aha, und wo find ich den?"
"Keine Ahnung. Im Lager der 'Freien' vielleicht?"
"Ihr wisst von dem Lager?"
"Wir wissen davon. Wir wissen nur nicht, wo es ist."
"Gut. Dann werde ich zum Lager gehen, ihnen erzählen, ihr wäret aus der Stadt abgezogen und nach einem Kapitän fragen. Ihr werdet euch dann hier versteckt halten und die in die Stadt zurückkehrenden Menschen angreifen. Ich werde auch unter den Leuten sein und werde eine Person umschubsen, wenn ihr aus dem Hinterhalt angreift. Diese Person wird der Kapitän sein."
"Was für ein Zeichen sollen wir machen, wenn wir angreifen?"
"Ein lautes Husten."
"Gut. Ich werde es an deine Untertanen weitergeben. Richte du dich schonmal häuslich ein", beendete Liesel das Gespräch und verließ das Haus.

Kapitel 5: Halluzinogene?
Am nächsten Morgen machte ich mich nach einem kurzen Frühstück auf den Weg, die Freien zu verraten. Die Sonne schien Vögel zwitscherten in der Luft, es war nicht zu warm und nicht zu kalt. Ein herrlicher Tag. Ich summte ein fröhliches Liedchen und machte mir Gedanken, warum die Schafe nicht stanken, wie Schafe es normalerweise nuneinmal taten. Aber normalerweise essen Schafe ja auch keine Menschen. Solche und ähnliche Überlegungen machte ich mir, während ich meiner Zukunft entgegenlief. Eine wilde Freude erfüllte mich und ich rannte den Weg zum Lager der Freien, ohne auch nur einen einzigen weiteren Gedanken zu denken. Die ganze Welt war wie angemalt. Alles hatte einen freundlichen orangenen, gelben, roten oder grünen Farbton. Ich traf sogar bunte teetrinkende Goblins, die mir freundlich zuwinkten. Rückwirkend frage ich mich, was beim Frühstück in meinem Kaffee gewesen war, denn jetzt kommt mir das alles sehr merkwürdig vor (bunte Goblins sind einfach zu viel des Guten). Ich war jetzt am Wasserfall angekommen und torkelte wie betrunken durch die Gegend. Doch der Boden schien sich immer so zu neigen, dass ich trotzdem sicher auftrat. Verdutzt bemerkte ich, dass die Schlafhöhle volkommen leer war. Noch verwunderter war ich als ich bemerkte, dass das Tal ungefähr um das zehnfache gewachsen war, alle Bäume abgeholzt und dort unten eine Stadt aus Holzhäusern, die größer war als Khorinis, entstanden war. Wie kann sich an einem Tag dermaßen viel verändern? Als ich endlich unten war, stellte ich fest, dass diese Stadt der Inbegriff einer Stadt war. Ich durchquerte ein Handwerks- ein Wohn und ein Armenviertel und kam schließlich am Marktplatz an. Ich hielt auf das Rathaus zu. Es war das einzige Gebäude der Stadt, das aus Steinen erbaut war und wirkte dadurch majestätischer als der prächtigste Palast. Die riesige Pforte stand offen und ich trat ein. Ein Diener geleitete mich sofort zum Zimmer des Stadthalters. Es war überraschend schlicht, wirkte dadurch aber umso stolzer. Nur die Schwachen verstecken sich hinter übertribenem Prunk. In der Mitte des Zimmers stand ein großer Schreibtisch mit einem thronartigen Stuhl. Der Diener bat mich, mich auf diesen Thron zu setzen und dort auf den Herrn Stadthalter zu warten. Ich setzte mich auf den Stuhl der angenehmerweise mit der Rückenlehne zu einem riesigen südlich gelegen Glasfenster stand.

Kapitel 6: Andréimitat
Nach zehn Minuten ereignislosen Wartens kam endlich der hohe Herr Statthalter. Verblüfft schnappte ich nach Luft: Er sah genauso aus, wie André.
"Guten Tag. Du musst der Auserwählte sein", begrüßte der Mann mich fröhlich.
Ich war sprachlos. Als ich die Stadt gesehen hatte, war mir ein Zeitsprung und ein bisschen magischer Hokuspokus als wahrscheinlichte Möglichkeit vorgekommen, jetzt merkte ich, dass auf dieser gottverdammten Insel gar nichts einen Sinn ergab und schon waren all die Erklärungsversuche, die meinen Kopf in den letzten Tagen durchschwirrt hatten, nur noch Nebel, der vom Wind der Zeit verdünnt und in einen abgelegenen Winkel meines Gehirns gespült wurde. Ach wie schön ist Panama!
Scheiße. Allmählich veränderten sich meine Gedanken, bis sie Form Khorinis annahmen. Ich weiß ja nicht, in welcher Form der Mensch normalerweise denkt, aber ich ziehe die Standardvariante, der Khorinisvariante eindeutig vor.
"Hallo. Hören Sie mich?"
Aufgeschreckt durch die Worte des Statthalters fuhr ich von dem Stuhl auf, setzte mich dann aber beschämt wieder hin.
"Äh, Hallo, äh, André", antwortete ich mit unsicherer, zitternder Stimme.
"Du bist wahrhaftig der Auserwählte. Denn nur der Auswerwählte kann meinen Geheimnamen erraten!", posaunte es geradezu aus dem merkwürdigen, lange Gewänder tragenden André-Verschnitt heraus.
"Gut. Alles ist erledigt. Wann brechen wir auf?", fragte ich schnell, ehe dieser Clown mich noch mit anderem Müll vollschwafeln konnte.
"Morgen früh gehts los zur Hafenstadt!", rief der Clown-André mir zu, als wäre es die froheste Botschaft, die er je verkündet hatte.
"Gut. Ich brauche aber noch einen Ka...", fing ich an wurde dann aber durch André unterbrochen: "Das hab ich alles schon geklärt. Ich zeig dir jetzt erst mal dein Schlafzimmer."
Ich folgte ihm und wurde noch den gesamten restlichen Tag durch seine quälgeistige Fröhlichkeit genervt.

Kapitel 7: Streichelzoo und Emoecke
Der Rückweg war so ziemlich das genaue Gegenteil des Hinweges: Alles war in tristem trostlosen Grau gehalten, das jeden Hauch guter Laune brutal aus mir herausdrosch. Allerdings galt das nur für mich. Die Anderen lachten und schwätzten fröhlich vor sich hin, ob der frohen Botschaft der Umsiedelung in die ehemals verlorenen Heimat, und machten dadurch das Grau noch grauer. Sie schienen auch die Horde depressiver Steingolems die in ihren Emoecken am Wegesrand hockten nicht weiter zu beunruhigen, sondern gingen mir lieber mit Fragen über meine Lieblingsfarbe oder ob ich schon vergeben sei (als ob das noch nicht genug wäre, stellten sie mir diese Fragen mehrere Male) auf die Nerven.

Nach endlosen zutiefst zermürbenden Stunden kamen wir endlich in der Stadt an. Es war keine Menschenseele (und auch keine Schafsseele) zu sehen und obwohl eigentlich besprochen war am Platz kurz hinter dem Stadttor zu warten, drängelten sich die Kinder nach vorne und rannten (freudig) schreiend in Richtung Hafen (fragt mich nicht warum). Besorgt blickte ich ihnen hinterher, erinnerte mich aber sogleich an die Verabredung zur Auslöschung der khorinischen Bevölkerung. Ich bewegte mich unauffällig neben den vom Andréimitat auserkohrenen Kapitän, bekam einen fürchterlichen Hustenanfall und riss ihn mit mir auf den Boden, als ob der Husten mich zu Fall gebracht hätte. Erschrocken wandten sich alle Blicke mir zu und ich blieb noch etwas stöhnend liegen, um darauf zu warten, dass die Schafe aus ihren Verstecken hervorspringen und die Menschen mit ihren Zähnen zerfleischen würden. Sie kamen nicht und nach einer halben Minute gab ich das Warten auf und erhob mich den Dreck von meiner Kleidung entfernend.
"Könntest du mal nach den Kindern sehen?", fragte mich ein peinlich berührter Clown-André.
Irgendwas wie "Sicher doch" grummelnd ging ich langsam in Richtung Hafen, bis ich eines schrecklichen Anblicks gewahr wurde: Eine große Gruppe Kinder schubste und drängelte sich, um möglichsst als Erstes ein einzelnes Schaf zu streicheln. Sie reckten, ohne Furcht zu verspüren, ihre Hände in Richtung Schaf, um es zu streicheln. Verzweifelt schlug ich die Hände ins Gesicht. Visionen von Blut und Verstümmelten Kindern durchfuhren meinen Kopf wie ein ICE und ich fing an zu weinen, bis ich, als ich die Hände wieder vom Gesicht nahm, sah, dass sich das Schaf protestlos streicheln ließ und zufrieden blökte.

Kapitel 8: Reise, Reise
Alles war vollkommen problemlos verlaufen und nun segelte ich in Richtung Festland und blickte nachdenklich auf Khorinis, Insel des Unsinns und Pfuhl des Irrsinns, zurück. Vom Leuchtturm herab winkte mir ein Troll mit roter Kravatte. Ein letztes Mal spürte ich die seltsame, irgendwie anregende Athmossphäre Khorinis, dann drehte ich mich in Richtung Meer, meiner Zuknft entgegen.
Jetzt wird alles todernst, dachte ich mir noch, dann endete das Kapitel.

 
BorkatokDatum: Samstag, 2011-02-12, 4:21 PM | Nachricht # 2
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Teil II: Todernst

Kapitel 9 ist namenlos
Xardas saß in seinem Turm und verfolgte heimlich jeden meiner Schritte. Schon seit Jahren.

Regen prasselte auf mich hernieder, als ich traurig am Strand von Ardea stand und das Schiff mit geblähten Segeln hinterm Horizont verschwand. Ich spürte eine Niedergeschlagenheit, die sich immer regte, wenn ein Lebensabschnitt abgeschlossen hinter mir lag und ich einen klaren distanzierten Blick auf all meine Taten hatte. Ich trauerte um verpasste Möglichkeiten, bedauerte begangene Fehler und beweinte die Toten.
Ich drohte schon im Regen meiner Erinnerungen zu ertrinken, da weckte mich der echte Regen, der noch heftiger auf mich fiel als noch vor einem Moment. Noch soll ich nicht sterben, dachte ich, stand auf und wendete mich dem Land zu. Allmählich verschwand die Trauer und ich begann zu vergessen. Ich musste Xardas finden, das war alles, was zählte, nicht die Schiffsbesatzung, die nach Khorinis zurücksegelte und nicht die Menschen, die er um ein Haar verraten hätte.

Ardea hatte aus der Ferne ziemlich ausgestorben ausgesehen: die Straßen waren leer gewesen und kein Licht hatte hinter den Fenstern gebrannt. Doch als ich näher kam erblickte ich Kinder, die mich eher schlecht als recht versteckt hinter Vorhängen aus den Fenstern heraus neugierig anstarrten, bis sie schließlich hastig von den Eltern weggezerrt wurden, schließlich konnte der Fremde, der da so einfach in ihr Dorf maschiert kam, gefährlich sein. Ich hielt auf das Rathaus (zumindest sah es aus wie das Rathaus) des Dorfes, das freundlicherweise gleich am Eingang der Stadt war. Endlich mal ein Ort, wo sich die Machthaber nicht vor dem gemeinen Volk verstecken, wobei, wie mir Sekunden später auffiel, die Machthaber sich gar nicht hätten verstecken können, so klein war das Dorf.
Ich klopfte dreimal laut und deutlich an die Tür und wartete. Der Regen hatte mich inzwischen bis auf die Haut durchnässt und ich machte mir ernsthaft Sorgen, dass meine Rüstung rosten würde, wenn ich hier noch länger stehen müsste, doch wie es in Geschichten immer so ist, wurde die Tür just in dem Moment geöffnet, in dem ich gehen wollte.
Ein kleiner dicker alter glatzköpfiger Mann begrüßte mich und fragte nach meinem Begehr, woraufhin ich den Wunsch nach Einer Unterkunft mit einem warmen Feuer, einem heißen Bad und einem weichen Bett äußerte.
"Das wirst du kriegen, doch zuerst wirst du dich auf eine Tasse Tee bei mir an den Tisch setzen und deine Geschichte erzählen, während ich dir trockene Kleider besorge. Danach wirst du mir deine Geschichte erzählen, andernfalls wirst du in diesem Ort keine Zuflucht finden, schließlich können wir nicht jedem dahergelaufenen Streuner Unterkunft gewähren. Nicht in diesen Zeiten", antwortete der Alte freundlich, aber drohend.
"Danke. Ich weiß eure Gastfreundschaft zu schätzen und bei einem heißen Tee Geschichten zu erzählen hört sich auch sehr angenehm an, aber vorher würde ich gerne noch erfahren, wie du heißt und wer du bist", antwortete ich ihm erfreut.
"Ich bin Hamlar, der Dorfvorsteher."

Der Tee schmeckte zwar nach kaum mehr als heißem Wasser, doch war es irgendwie angenehm im Trockenen am Kamin zu sitzen, das Zeug zu schlürfen (es war heiß, dass war alle was zählte) und den Regen zu beobachten, wie er unablässig gegen die Fensterscheibe prasselte, als wolle er das Glas durchstoßen und das Haus erstürmen. Doch sinnlos waren die Bemühungen des Niederschlages einzudringen, was mich in eine Art trübe Euphorie versetzte (bei Regenwetter waren sowieso alle Gefühle trüb).
Und als ich so über das Regenwetter nachdachte, bemerkte ich eine weiteres Merkmal, dieses von vielen verhassten und von einigen wenigen Irren geliebten Wetters: Sobald man darüber nachdachte ließ es Einen Frösteln und versetzte Einen in eine angenehme Melancholie.
Und so tanzten eisig kalte, ultradünne Nadeln auf meiner Haut und sanfte Schwermut dämpfte alle Farben, während ich in eine Decke gehüllt vorm Kamin saß und genausogut hätte draußen sein können. Draußen und Drinnen. Alles verschwimmt im Regen, wie die Erinnerung an vergangene Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden, ja selbst Minuten.
Hamlar kam bepackt mit einem Stapel frischer Kleidung und Decken aus seinem Schlafzimmer in das Wohn- und Speisezimmer mit integrierter Küche.
"Meinst du nicht, dass du ein Wenig übertreibst, es reicht doch einmal die Woche die Kleidung zu wechseln, man muss das nicht jeden Tag machen, es sei denn man will die Hälfte seiner Freizeit mit Waschen verbringen", sagte ich halb schmunzelnd, halb belehrend.
"Achwas. Besser zu Viel, als zu Wenig!", grunzte der Alte gutmütig zurück.
"Da hast du auch wieder Recht!", antwortete ich ihm herzlich, stand auf, ignorierte seine Proteste von wegen Pflichten des Gastgebers, kam auf ihn zu und nahm die Textilien ab.
Interressiert durchsúchte ich sie: Hemd, Unterhemd, Mantel, Hose, Unterhose und sogar warme Socken und Schuhe waren darunter. Desweiteren waren noch zwei Wolfsfelle und eine Zweite Decke dabei. Der Mann hatte wirklich an alles gedacht!
"Ich hätte nie im Leben eine solche Gastfreundschaft erwartet", bedankte ich mich voller Ehrlichkeit (ich war auf Khorinis zwar noch freundlicher Empfangen worden, doch war dies wider allen Erwartungen geschehen).
"Aber das ist doch das Mindeste!", antwortete mein Gastgeber und platzte fast vor Bescheidenheit, "Aber zieh dich ersteinmal an und setz dich an den Tisch, während ich mir noch einen Tee mache. Ich bin schon gespannt auf deine Geschichte."

"Mein Name ist Wolfgang und ich bin fahrender Händler. Vor einer Woche brach ich mit meiner Karawane in Richtung... Ahrgh, ich bin furchtbar vergesslich..." Ich fasste mir an den Kopf, als wollte ich die Erinnerung mit meinen Fingern aus den Untiefen meines Hirnes zien, während ich unauffällig die Karte, die hinter Hamlar an der Wand hing, studierte.
"Also brach ich mit meiner Karawane von Montera in Richtung Vengard auf, doch am fünften Tag, der Reise, als wir Kap Dun gerade hinter uns gelassen hatten, wurden wir von Banditen überfallen. Glücklicherweise konnte ich fliehen, doch ich habe all meine Söldner, Wagenlenker und Schreiber verloren. Stundenlang irrte ich durch die Wildnis, bis ich, wie durch ein Wunder, auf die Überreste meiner Karawane stieß. Ein Teil der Waren war noch unberührt! Anscheinend waren die Banditen von wilden Tieren vertrieben worden. Ich packte also ein paar Lebensmittel in einen Rucksack und verfolgte die Straße bis hier."
Hamlar hatte die ganze Zeit über mit leerem Gesicht gelauscht, jetzt nahm sein Blick etwas Lauerndes an.
"Interressant. Und wie lautet die wahre Geschichte?"
Verdutzt blickte ich ihn an und sah ein Raubtiergrinsen in seinem Gesicht. Er war so gutmütig gewesen, dass sich seine füchsische Schläue nicht einmal erahnen lassen hatte, doch nun öffnete er sich mir und verlangte von mir das Gleiche. Ein fairer Handel.
"Was hat mich verraten?", fragte ich mit von Respekt erfüllter Stimme (die meisten Leute denen man begenet sind einfach dumm).
"Erstens hat dich deine Rüstung verraten. Welcher Händler trägt denn so eine Rüstung? Zweitens haben dich deine auffällig unauffälligen Blicke auf die Karte hinter mir verraten. Du bist nicht von hier. Und drittens hatte ich gleich geahnt, dass du mich anflunkern würdest", erklärte Hamlar, "Und? Was ist mit deiner Geschichte?"
"Möchtest du die lange oder die kurze Variante hören?"
"Die kurze, der Abend ist nicht mehr lang."
"Also... Ich komme aus dem fernen Land Marloni, das auf dem Kontinent Had liegt, der im Osten von dem undurchdringlichen Ostwallgebirge, im Süden und Osten vom Großen Wasser und im Norden von einem tiefen und unglaublich breiten, unüberbrückbaren Abgrund gefüllt mit verpestetem Wasser, genannt Schlund, der sich in östlicher Richtung bis zum Gebirge und in westlicher Richtung bis weit ins Meer ausbreitet. Da wir dort nicht über die merkwürdigen Navigationsgeräte verfügen, die ihr euer Eigen nennt, können wir mit unseren Schiffen nur an der Küste entlangfahren, einmal ganz davon abgesehen, dass keines unserer Schiffe einem Sturm auf hoher See standhalten würde. Blöderweise verbergen sich im südöstlichen Meer etwa auf Höhe der Berge spitze Felsen im durch den vielen aufgewühlten Schlamm sehr trüben Wasser, wodurch es uns unmöglich ist, nach Osten zu fahren. Und den Schlund überqueren können wir auch nicht, denn alle Schiffe, die das giftige Wasser überqueren sinken unweigerlich, da das Das Zeug keine Schiffe trägt und außerdem stinkt das Ding bestialisch. Es gab auch schon viele Expeditionen, die Versucht haben, den Schlund zu umfahren, doch sind sie bisher ale verschwunden.
Auf jeden Fall liegt Marloni in der Mitte des Kontinents und besteht aus sechs Stadtstaaten, die rund um den Magierturm liegen, der im Zentrum des Landes auf einer Insel inmitten des namenlosen Sees liegt und selbst auch so eine Art Stadtstaat ist. Diese sechs Städte sind über Flüsse mit dem namenlosen See und untereinander durch eine kreisförmige Straße, die durch all diese Städte führt verbunden. Jede Stadt hatte zwar eine eigene Regierung, doch Fragen, die das ganze Land betrafen wurden im Hochmeisterrat behandelt. Dieser Hochmeisterrat bestand aus den Hochmeistern der sechs Städte und dem Erzmagier.
In welcher Stadt und von welchen Eltern ich geboren wurde weiß ich nicht, denn gleich nach der Geburt, wird ein Kind bei uns dem Sternzeichen entsprechend, unter dem es geboren wurde in eine der Städte, oder gar in den Magierturm gebracht, wo es einen Namen erhält und je nach Stadt in der einen oder anderen Profession ausgebildet wird.
Ich wurde nach Trutzburg, einer Stadt die sich ganz der Kriegsführung widmete ausgebildet und erhielt damit auch den kämpferischen Namen Robert.
Nach meiner Grund- und meiner Spezialausbildung beschloss ich, weil ich unter einem günstigen Stern geboren war, mich nicht zum Meister des Kampfes aubilden zu lassen, sondern mich im Magierturm der Grundausbildung der arkanen Kräfte zu widmen. Dort lernte ich meinen Freund Marten kennen, der genau wie ich die Grundausbildung machte, sich danach jedoch auch der Spezial- und schließlich der Meisterausbildung unterzog. Als er schließlich ein Meister der Magie wurde, ließ er nach mir, der ich gerade in einem der zahllosen Kriege gegen das Südre ich Owarm kämpfte, schicken, um mir einen Spezialauftrag von äußerster Wichtigkeit zu vermitteln. Ich sollte nämlich einem merkwürdigen Einsiedler namens Xardas, der über gewaltiges magisches Wissen verfügte, einen wichtigen Brief. Was darin stand, durfte ich nicht erfahren und nicht einmal Marten wusste das, denn die Nachricht ging nur den Erzmagier und Xardas etwas an. Aufgrund der magischen Versiegelung weiß ich ich auch heute, obwohl mich die Neugier hin und wieder packte, nicht was in diesem Brief eigentlich steht.
Ich zog also jeder noch so kleinen Spur folgend über den Kontinent, bis ich nach zehn Jahren des Suchens schließlich in einem Gasthaus am Rande der Welt einen außgestoßenen, betrunkenen Magier fand, der behauptete, einen Teleportzauber zu dem Wohnort dieses Xardas zu haben. Vor lauter Verzweiflung kaufte ich ihm die Zauberformel ab und landete tatsächlich vor Xardas Turm auf der Insel Khorinis. Nur war dieser Turm verlassen und von den Einheimischen erfuhr ich, dass Xardas auf das Festland weitergezogen war, und ich fuhr nach einigen Strapazen hier herüber, wo ich auf dieses Dorf traf."
"Interressant. Du suchst also nach Xardas. Dann solltest du wissen, dass schon viele nach ihm gesucht haben, aber nur wenige ihn gefunden haben", sagte Hamlar grinsend.
"Das weiß ich schon lange. Diese Information hat zu dem Wenigen gehört, das Marten mir schon vorher erzählt hat. Aber bis jetzt habe ich keinen blassen Schimmer, wer er ist", antwortete ich einem halb klagenden, halb hoffnungsvollen Ton.
"Das kann ich dir sagen, mein Junge. Er war der oberste Feuermagier, bis er sich dem dunklen Gott zuwandte. Sein Turm ist irgendwo im Nirgendwo", antwortete nun der Dorfvorsteher nachdenklich.
"Wer ist der dunkle Gott und wer ist Innos?", fragte ich neugierig eine Frage, die mich schon seit ich in Khorinis angekommen war beschäftigte. Der Dorfvorsteher blickte mich überrascht an.
"Das werd ich dir Morgen erklären. Jetzt ist es schon zu spät dafür. Leg dich erstmal hin."

Kapitel 10: Göttergelaber
Innos sengendes Auge blickte mild und voller Liebe auf Ardea und zauberte einen schillernden Regenbogen in die Luft, Möven kreischten und bekoteten fröhlich den Leuchtturm und aufgrund der Gezeiten gingen die Fischer auf ihren Boten schon ihrer Tätigkeit nach, als die Sonne geradeeinmal zwei Stunden wach war. Es war also ein herrlicher Morgen, den Hamlar und ich verschliefen.
Als wir dann schließlich zwei Stunden vor Mittag aufwachten, fühlten wir uns sauwohl (gelobt sei das gemäßigte Klima) und bereiteten uns gut gelaunt unser Frühstück, bestehend aus Eiern mit Speck und Champignons und einer Tasse Schwarztee, der im Gegensatz zum Tee des gestrigen Abends so richtig schön stark war und Geist und Körper in einem kurzen Kampf der Müdigkeit entledigte. Nach kurzem Smalltalkgewäsch kam dann auch endlich die Sprache auf die Götter.
"Wir haben drei Götter: Innos, Adanos und Beliar. Innos ist der Gott der Ordnung, der Gerechtigkeit, des Feuers, des Tages und des Lichts. Der Innosglaube ist der dominiert Myrtana und dessen Kolonien denn er stellt eine Rechtfertigung für die Herrschaft des Königs dar. Es gibt im Norden auch einen Barbarenstamm, der zu diesem Innos betet.
Beliar ist der Gott der Finsternis, des Todes, des Chaos und der Nacht. Er liegt im ewigen Streit mit seinem Bruder Innos, weil er vom Neid zerfressen ist. Die Assassinen Varants und paradoxerweise auch die Orks beten zu ihm, obwohl die Orks mit ihrer militaristischen Grundeinstellung und der Ehre als wichtigstes Lebensziel eher zu Innos passen. Desweiteren wird noch von versteckt agierenden Beliardienern in unserem Königreich gemunkelt. Immer wenn etwas unerklärliches passiert, wird die Schuld auf sie geschoben. Xardas ist einer von Beliars Geweihten.
Adanos ist der Gott des Gleichgewichts, des Meeres, des Lebens und des Wassers. In seinem Reich ist Ordnung und Chaos zugleich und er sorgt dafür, dass keiner der Götter die Übermacht erlangt. Die Nomaden der Wüste und die Waldläufer beten zu ihm. Über diese Völker weiß man wenig, denn sie leben von der Gesellschaft abgeschieden und kümmern sich um ihren eigenen Kram. Sie gehorchen keinem König sondern nur den ihren Glaubensführern: den Wassermagiern und den Druiden.
Ich haffe du hast einen Einblick in unsere Götterwelt bekommen", erklärte Hamlar die Wirren des Streitrs der Götter.
"Was ist der Beweis für die Existenz der Götter?", fragte ich skeptisch.
"Die Magie. Die Priester und Kämpfer der Götter werden von ihnen mit Magie belohnt und die Magie ist göttlich", antwortete Hamlar.
"Aber in meinem Land gibt es auch Magie und niemand glaubt dort an irgendeinen Gott", kam ich mir superschlau vor.
"Ich weiß, dieses Weltbild hat Lücken. Es gibt nämlich gerüchteweise eine Sekte, die ihre eigene Magie hat, obwohl sie zu keinem der drei Götter betet, doch lässt die Inquisition der Kirche Innos jeden hinrichten, der dies behauptet, denn allein schon die Möglichkeit der Existenz dieser Sekte grenzt an Ketzerei", lenkte Hamlar lächelnd ein.
"Was ist dies für eine Sekte?", fragte ich erstaunt.
"Irgendwas mit Sumpfkraut. Am besten du fragst mal den Leuchturmwärter Jack. Er ist einst mit einem Schiff von Khorinis übergefahren. An Bord hatte er zwei angebliche ehemalige Mitglieder dieser Sekte", gab Hamlar ihm Auskunft.
"Aber ich muss doch Xardas finden...", sagte ich mit einem leicht jammernden Unterton.
"Nach dem kannst du ihn ja auch fragen... nachdem du mir beim Abwasch geholfen hast", entgegnete Hamlar und zwinkerte mir zu.

Kapitel 11: Der Sektenspinner
Der Wind peitschte um mein Gesicht doch ließ es komischerweise verschont. Ich ging langsamen Schrittes durch das wogende Gras zu Jacks Leuchtturm. Er war alt und das raue Wetter hatte tiefe Furchen in die Mauer gerissen. Als ich ankam pochte ich laut an der Tür, doch niemand öffnete. Ich klopfte nochmal und nochmal, bis mir einfiel, dass der Leuchtturmwärter seinen Beruf eigentlich auf der Spitze und nicht im Erdgeschoss ausüben sollte. Ich stieg also die Treppe hinauf und traf dort auf einen grauhaarigen Mann mit wettergegerbtem Gesicht, der auf die Brüstung gelehnt nachdenklich auf das Meer starrte, während das Leuchtturmfeuer in seinem Rücken prasselte. "Bist du Jack?", sprach ich ihn an.
"Wer soll ich sonst sein?", sprach der alte leise und ohne sich zu mir umzudrehen.
"Gut. Ich habe zwei Fragen. Erstens: Wo finde ich Xardas? Zweitens: Was hat es mit dieser Sekte auf sich?", fragte ich leicht angespannt. Ich hatte überhaupt keine Lust, mich noch lange an der Küste aufzuhalten.
"Von welcher Sekte sprichst du?", fragte Jack mit seiner rauen Seemannsstimme.
"Irgendwas mit Sumpfkraut oder so", anwortete ich unsicher.
Nun drehte Jack sich endlich zu mir um, sah mir genau in die Augen und sagte verächtlich: "Ich kenne keine Sekte, schon gar nicht eine mit 'Sumpfkraut oder so'. Kapiert?"
"Du lügst", entgegnete ich trocken und ging dann langsam auf ihn zu.
"Achja. Wer sagt das?", antwortete Jack hämisch grinsend.
"Du sagst das. Dein Blick sagt das. Dein Tonfall sagt das. Jeder noch so gottverdammt kleine Teil deiner selbst schreit: 'Ich lüge'. Und jetzt gib mir endlich eine vernünftige Antwort. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit", fuhr ich ihn an, während ich weiter langsam auf ihn zuschritt.
"Ich lüge nicht", antwortete Jack schroff. In seinem Blick und seiner Stimme lag nun keine Häme mehr. Eisblitze durchbohrten mein Gesicht.
Jetzt war ich nah genug und packte ihn an seinem Hemd. "Jetzt reiß dich aber mal zusammen. Ich habe gesagt bekommen, dass du etwas über diese Sekte und vielleicht auch etwas über Xardas weißt. Tu nicht so, als hättest du keine Ahnung", brüllte ich ihn an.
"Ja gut. Ich weiß etwas. Aber warum sollte ich dir etwas erzählen?", lenkte der Leuchtturmwärter ein.
"Weil du sonst sterben wirst!", sagte ich mit dunkler Stimme (voll klischeeartig eben).
Der Herr Leuchtturmwärter verfiel in ein fast hysterisches Gelächter. "Das hat schon oft jemand zu mir gesagt und doch hatte nie jemand wirklich den Mut, es auch durchzuziehen. Und außerdem würde mich mein Tod auch nicht stören", sagte der Alte noch immer kichernd.
Wortlos hob ich ihn hoch und trug ihn langsam in Richtung Feuer. "Ja, ja. Tu was du nicht lassen kannst, aber eines kann ich dir sagen, wenn du mich wirklich umbringen solltest wird man dich durch ganz Myrtana jagen, denn niemand mag Mörder. So gesehen kann ich nur gewinnen!", schrieh der Alte in einem verzweifelten Versuch, sich selbst die Angst auszutreiben.
Ich ging weiter und ließ die Flammen ein bisschen an seinen Füßen emporzüngeln. Sofort fing er wie am Spieß zu schreien: "Aufhören! Aufhören! Wachen! So helft mir doch! Wachen! Hier bin ich!"
"Leider sind momentan keine Wachen zugegen mein lieber Herr Leuchtturmwärter und deshalb wirst du jetzt ganz brav auf meine Fragen antworten", sagte ich mit ruhiger Stimme, ließ die Flammen aber noch ein bisschen weiterzüngeln.
Nun schrie Jack vor Schmerz (die Haut an den unteren Beinen hatte schon eine unangenehme Farbe angenommen und es roch irgendwie... verbrannt) und vor Panik. Hektisch keuchte er ein "Ich tu alles hervor", da setzte ich ihn wieder außerhalb der Flammen ab, hielt ihn aber immer noch fest, und verlangte spöttisch: "Jetzt wo wir alle unsere Gemüter etwas beruhigt haben, können wir doch vernünftig miteinander reden"
"Stell deine Fragen", keuchte Jack nur hervor.
"Gut. Wo finde ich Xardas?", fragte ich ihn genüsslich.
Panik glitt in die Augen des Leuchtturmwärters. "Ich... Ich weiß es nicht", stammelte er vor sich hin.
"Darauf kommen wir zurück. Was weißt du über die Sekte?", fragte ich weiter nach.
"Sie... beteten zu ihrem Gott... dem Schlä-ä-ä-fer und sie rauchten Sumpfkraut, um Kontakt mit ihm aufzunehmen. Ich habe zwei von ihnen, einen Novizen und einen Templer, von Khorinis rübergeschippert. Sie waren auch mit einem merkwürdigen Typen zusammen, der irgendwas mit Xardas zu tun hatte. Wo der ist weiß ich nicht aber ich weiß, dass der Novize, Lester ist sein Name, in den Sümpfen um Silden lebt, und er genaueres über diesen Typen weiß", beantwortete er die Frage ängstlich.
Grinsed verabschiedete ich mich und ging wieder zu Hamlar um mir seine Karte auszuleihen.

Auf meiner Reise nach Geldern studierte ich nebenbei die Lebensweise der Myrtaner und kam zu dem Schluss, dass trotz aller Unterschiede, was die Herrschaftsform anbelangte, die Myrtaner uns erschreckend ähnlich waren. Ihre Gesellschaft und Kultur war wie ein verzerrtes Spiegelbild der Unseren, was mich nachdenklich stimmte, denn eigentlich waren die beiden Kontinente ja voneinander getrennt und hätten sich folglich nicht gegenseitig beeinflussen können. Oder waren da doch Götter am Werk gewesen? Hatten sie unsere Länder auf ähnliche Weise gelenkt? Stimmte es wirklich, dass es keine Götter gibt?
Diese Fragen hatte ich zwar nicht beantworten können, dennoch hatten sie mir die Zeit des Reisens verkürtzt, indem sie mich zu immer wilderen Spekulationen getrieben hatten.
Nun stapfte ich den schlammigen Trampelpfad entlang, während in meiner Rechten das Dörflein Silden inmitten des Sees, um den sich der große Sumpf ausbreitete, schlummerte.
Vor mir lag ein Tunnel, in dem langsam aber stetig Wasser auf den Boden tropfte und hinter mir lag die Vergangenheit. Da fiel die Wahl nicht schwer und darum ging ich stetig geradeaus, kehrte nie um und wechselte meinen Kurs nur um Hindernissen auszuweichen oder mich schneller fortbewegen zu können. Das war auch einer der Gründe warum ich die Straße nahm und nicht querfeldein ging. Ein weiterer, aber nicht minder wichtiger Grund war, dass es nämlich wahren Mut erfordern würde, von der Straße abzuweichen, denn ein Abweichen von der Straße bedeutete auch ein Abweichen von den vorgezeichneten Linien des Schicksal, was die Schicksalsmacher im Hochmeisterrat oder den Thronsäälen sehr erzürnt hätte und außerdem lauert jenseits des Schicksals und außerhalb der Wege die Ungewissheit und Nichts erfordert mehr Mut als diese.

An einem provisorischen Stadttor, das einmal, wie ich später mal in einem in dieser Geschichte nicht weiter bedeutsamen Dialog erfahren sollte, der Eingang zu einem Sklavenlager gewesen war, wurde ich nicht von den Wachen aufgehalten, doch auf meine Frage hin, wo Lester denn lebe, sagte man mir, dass er eine Hütte etwas nördlich von Silden habe, wo er zusammen mit einem alten Freund namens Angar lebte, bat mich aber, erst dem Dorf einen Beruf abzustatten, bevor ich weiterziehen würde. Als ich ablehnte, waren sie furchtbar enttäuscht, was darauf schließen ließ, dass hier nicht viel los war.
Nach einem kurzen Gang, während dem ich staunend das außergewöhnliche Bios des Sumpfes betrachtete, erreichte ich dann die Hütte, die aus einem einzigen multifunktionalen Raum bestand, auf dessen Boden ein nackter, am ganzen Körper tätowierter Mann mittleren Alters auf einem Wolfsfell lag und einen Stängel Sumpfkraut rauchte.
"Guten Tag, mein Name ist...", sagte ich bis ich merkte, dass der Typ nicht reagierte, versuchte ich es auf die volkstümliche Variante, indem ich mir einen wahrscheinlich für Exkremente gedachten Eimer schnappte, ihn unten am See befüllte und Inhalt über den Schläfer ergoss. Dieser konnte sein Stängelchen nur knapp vor dem Wasser retten, was angesichts der großen Streung eine echte Meisterleistung war. Wahrscheinlich hatte er schon einen Instinkt zum Schutz seiner Drogen entwickelt. Auf jeden Fall schaute er mich mit benebeltem Blick an und rief voller Inbrunst: "Ach wie schön ist Panama!"
Erfüllt von Angst, der Irrsinn, dem ich eigentlich glaubte, entflohen zu sein, könne mich wieder einholen, wich ich zwei Schritte zurück und wurde prompt mit einem Knüppel niedergeschlagen.

Als ich aufwachte, sah ich Alles durch einen von in allen erdenklichen und unerdenklich Farben glitzernden Funken durchwirkten Schleier, der sich ständig kräuselte, verschob und verzerrte. Hinter diesem Schleier tantzte ein grauer, menschenähnlicher Schemen durch das Zimmer, während ein Anderer sich über mich beugte. Ich gähnte einmal herzhaft, doch es schien mich nicht vollends zu befriedigen. Ich tat es nochmal und merkte, dass im Mundbereich alles in Ordnung war, mit den Ohren stimmte etwas nicht: Ich konnte mein Gähnen nicht hören! Scheinbar war ich taub, doch bevor ich in Selbstmitleid versinken konnte, bewegte sich irgendetwas in der verschwommenen Gesichtsdingsmatschepampe, die über mir schwebte, und als sich die Bewegung wiederholte erkannte ich, dass der Schemen zu mir sprach. Blöd nur, dass ich nichts hören konnte.
"Wer bist du und was suchst du hier?", hörte ich nach Minuten der Stille doch etwas von den Worten der tiefen Männerstimme des Beugetypen.
"Ich bin Robert und ich suche jemanden namens Lester. Eine der Stadtwachen Sildens sagte mir, dass ich ihn hier finden würde", antwortete ich mit merkwürdig klarem Kopf, als hätte man ihn mal kräftig durchgespült, und leichter Zunge, "Wer singt denn hier so grottig falsch?"
Der Schemen fing an zu grinsen (zumindest sah das Muster des Schattenbreis in Kopfhöhe ziemlich danach aus) und sagte: "Der Typ, der da singt und tanzt, ist Lester"
"Warum macht der das? Kann der sich nicht einen anderen Ort dafür suchen? Davon kriegt man ja Kopfschmerzen", fragte ich und versuchte dabei möglichst viel Emotion in meine schlaffen Gesichtsmuskeln zu pressen.
"Sumpfkraut macht die Menschen lustig und jetzt schlaf noch ein bisschen", sagte der Typ mit der dunklen Stimme und ich pennte wirklich sofort ein.

Als ich das nächste Mal aus meinem traumlosen Bewusstlosigkeitsschlaf erwachte, dröhnte mein Schädel vom Schlag auf den Hinterkopf. Warum war er beim ersten Mal so klar und rein gewesen? Warum war er jetzt auf einmal so, wie er beim ersten Mal hätte sein sollen?
Ich öffnete die Augen und wurde prompt durch einen Schwall eiskalten Dihydrogeniumoxids in der Welt der Lebenden begrüßt. Fluchend rieb ich mir das Zeug aus den Augen und funkelte den Überbringer dieses Grußes zornig an.
"Rache ist süß!", antwortete dieser mit hämischer Miene, "Warum hast du mich überhaupt auf diese diskrete Art geweckt? Du hättest mir doch auch in die Rippen treten, oder die Zehen ansengen können!"
Ich ließ mich von seiner Stichelei nicht beeindrucken und fragte ihn: "Bist du Lester?"
"Wer zum Teufel soll ich denn sonst sein? Der ewige Wanderer? König Rhobar? Der Schläfer?", schrie er zurück.
"Jaja, ist ja schon gut, aber mir hat man gesagt, dass du mit einem gewissen Angar zusammenlebst, da wollte ich sichergehen, dass du Lester und nicht Angar bist", versuchte ich noch, mich zu erklären, da verließ Lester mit einem hervorgequängelten "Ich bin aber nicht Cor Angar!" das Haus und ließ mich allein mit meinen rhythmisch hämmernden Kopfschmerzen und meiner hydrophilen Kehle (Er hätte mir das Wasser ruhig zu trinken geben können, anstatt mich damit zu überschütten) auf dem Bett liegen und die Kerben des Esstisches zählen.

Kapitel 12: Wut
Niemals wird es enden, denn selbst wenn ich den alten Sack finden werde, werde ich lange Jahre nach einem Rückweg suchen müssen. Und dann wird es Niemanden geben, der ahnen könnte , welchen Weg ich nehmen soll. Schlimmer noch: Es muss nichtmal ein Weg existieren. Dann müsste ich wohl auf ewig auf diesem dunklen Fleck der Welt verweilen und mich täglich mit Leuten abgeben, die absolut unausstehlich sind. Ich werde einfach versuchen mich hier fortzuschleichen, um Lester, dem das Sumpfkraut den Verstand vergiftet, nicht mehr ertragen zu müssen.

Xardas sah von den Zinnen seines Turmes meine Gedanken kochen, sah wie ich mich gegen meinen Auftrag stellte. Ein flüchtiges Lächeln breitete sich wie eine Krankheit in seinem Gesicht aus und er richtete seinen Blick auf Lester. Nun kann es also beginnen.

"Was du willst schon gehen?", sagte Lester hämisch, "Du bist ja grade mal DA!"
Die Wut packte mich und riss mich herum. Mit langsamen aber beständigem Schritt ging ich auf ihn zu und versuchte ihn mit meinem Blick in Myriaden mikroskopisch kleiner Stücke zu zerreißen. Merkwürdigerweise funktionierte es, denn auf einmal war von dem Sektenspinner nur noch ein Häufchen Staub und eine Blütfontäne übrig. Ich wollte mich schon abwenden und gehen da packte mich eine gewaltige Kraft von hinten und sog mich geziehlt nach Westen. Als ich ab mir herrabblickte, merkte ich, dass der Blutstrom Lesters zu einem reißenden Fluss aus Lebenssaft geworden war, der sich immer weiter ausweitete und ganz Myrtana unter sich begrub. Unaufhaltsam schoss ich nun dem westlichen Gebirge entgegen und ließ mich von der Strömung den Berg hinauftreiben. An dessen Spitze stand ein schwarzer Turm, der majestätisch bis in den Himmel reichte, doch die Strömung, die mich auf die andere Seite spülte riss das gewaltige Bauwerk mit sich und es fiel donnernd zu Boden und der Turmherr wurde erschlagen.

 
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